Die Gebäudeversicherung wird teurer – was nun?

Indexanpassungen und Prämiensanierungen – beider Gebäudeversicherung ist eine durchaus be-achtliche Dynamik in der aktuellen Zeit spürbar. Im Kontext von konstant hohen Energiekosten undhoher Inflation führt das zu einer Gesamtsituation,mit der die Versicherungsnehmer nur mäßig glück-lich sind. Doch was sei einem geraten, wenn dieGebäudeversicherung die Prämien anhebt? Darüber haben wir mit ease Geschäftsführer MarcelHanselmann gesprochen, der die Branche sehr ge-nau kennt und der mit seinem Team im Markt fürzukunftsträchtige Lösungen bekannt ist.

Marcel, die Reihe der Studien, die belegen, dassdie Versicherungsschäden immer teurer werden,wird immer länger. Eine Analyse der Bankenauf-sicht Bafin hat nun ergeben, dass mehr als zweiDrittel der Versicherungen seit Jahren im Gebäu-debereich defizitär arbeiten.Siehst Du hier einen Weg zur Normalisierung?

Marcel Hanselmann: Diesen Weg muss es ja ge-ben, denn ein defizitäres Geschäftsfeld kann keinnachhaltiges Modell sein und wir werden die Ge-bäudeversicherungen auch in ein paar Jahren noch brauchen. Der Transfer in die Gewinnzone wird sichaber nicht automatisch einstellen. Auch in einemJahr 2022, das nicht die ganz großen Elementarer-eignisse verkraften musste wie 2021, meldet die Ver-sicherungswirtschaft eine Combined Ratio – alsoein Verhältnis von Aufwand für Betriebs- und Ver-sicherungsleistungen zu den eingenommenen Prä-mien – von 106 %. Das bedeutet, dass ein Versichererim Schnitt mit jeden 100 Euro Versicherungsprämie6 Euro Verlust macht. Wenn wir nichts Grundlegendesverändern, wird diese Zahl sicher nicht sinken undwarum sollte das ein Unternehmen dauerhaft tragen?

Du hast die Elementarereignisse aus dem Jahr 2021bereits angesprochen. Was ist Deiner Meinungnach noch elementar für diese Situation verant-wortlich?

Marcel Hanselmann: Die Schadenquote. Der Ge-bäudebestand der Versicherer wird immer älter, undwenn Objekte dann auch noch einen mehr oder we-niger großen Sanierungsstau ihr Eigen nennen, steigtdie Schadenquote und das wird zum Problem für dieVersicherer. Was in diesem Zusammenhang bemer-kenswert ist: Es gibt keinerlei regelmäßige Überprüfung, beispielsweise der Wasserleitungen ineinem Gebäude, wie wir das von einem TÜV für Autos kennen. Und das führt zu wahnsin-nigen Zahlen. 3,4 Milliarden Euro pro Jahrmüssen Versicherer für die Beseitigung vonLeitungswasserschäden jährlich bezahlen.Das sind fast 50 % der gesamten Kosten. Undwenn dann eben steigende Schadenquotenauf steigende Baupreise treffen, haben wireinen exponentiellen Anstieg der Kosten.

Und dieses Problem wird dann regelmäßigmit Prämienerhöhungen, höherer Selbstbe-teiligung oder dem Ausschluss bestimmterGefahren bis hin zur Kündigung des Ge-samtvertrags gelöst – aus Deiner Sicht derrichtige Weg?

Marcel Hanselmann: Nein, denn das kannsich ein sehr großer Teil der Gesellschaft aufDauer schlicht nicht leisten und daher kanndas nicht unser Zukunftsweg sein. Umfragenergeben, dass sich heute im Angesicht derangekündigten 16%igen Prämiensteigerungschon 60 % der Versicherungsnehmer Sor-gen machen, ob sie die Kosten in Zukunftnoch werden tragen können.

Der Ausschluss von Gefahren ist zudem nochhochriskant, außer es handelt sich um unnö-tige Deckungen. Dann war der Vertrag aberauch schon vorher schlecht. Die Antwortender Versicherungsbranche blicken recht we-nig über den Tellerrand hinaus, was aberangesichts der vielfältigen Probleme absolutnötig wäre. Und dort gibt es außerdem auchnoch Lösungen dafür. Wir arbeiten schon seitJahren mit aufwändigen Datenanalysen, dieuns ein wirkliches Wissen über unsere Her-ausforderungen ermöglichen. Daneben setzen wir in der täg-lichen Praxis auf IoT-Lösungen,die gerade im Leitungswasser-bereich Folgeschäden wirkungs-voll vermeiden, Tag für Tag.

Empfiehlst Du Versicherungsnehmern in solchenSituationen die Gebäudeversicherung zu kün-digen?

Marcel Hanselmann: Das muss man differenziertsehen. Ist das eigene Objekt alt, unsaniert und hateine lange Schadenhistorie, sollte man mit derKündigung vorsichtig sein, denn es ist keineswegsselbstverständlich, dass sich im Anschluss eine an-dere Versicherung findet, die einen mit offenenArmen und Top-Konditionen empfängt.

Hat man aber ein Objekt oder als Hausverwaltereinen Bestand, der eine gute Schadenquote vor-weisen kann, kann man von der Versicherungdurchaus fordern, das dies entsprechend auch beider Prämienhöhe berücksichtigt wird.

Könnte man Hausverwaltern in diesem Zusam-menhang dazu raten, „Problemgebäude“ abzu-stoßen, um die Schadenquote des Bestands zuverbessern?

Marcel Hanselmann: So hart das für die Bewoh-ner klingen mag, aber ja, darüber sollte man nach-denken, zumindest sollte man solche Objekte in-dividuell behandeln. Es kann nicht sein, dass eineHausverwaltung für ihren gesamten Bestand Prä-mienerhöhungen erdulden muss, nur weil einzelnewenige Objekte schadenanfällig sind.

Das Problem ist dabei, dass die Versicherungenhierzu meist keine Daten haben. Sie wissen also,dass die Gebäudeversicherung defizitär ist, abernicht, was dafür verantwortlich ist. Wir bei easehaben zu den Beständen unserer Kunden eine sehrbreite Datenbasis, mit der wir den Versicherun-gen aufzeigen können, wie wir ein gemeinsames Modell gestalten können, das die Bewohner best-möglich schont und für den Versicherer trotzdemauskömmlich ist. Das ist eine Frage der Daten undhier sind wir führend am Markt.

Welche Optionen siehst Du noch, denn für einesignifikante Senkung der Schadenquote wirdeine Stellschraube nicht reichen, oder?

Marcel Hanselmann: Sicher nicht, wobei eingutes Portfoliomanagement auf Basis umfassen-der und aktueller Daten, wie gerade beschrieben,schon ein ordentliches Pfund ist. Aber ergänzensollten wir das um ein gutes Sanierungsmanage-ment und Maßnahmen zur Schadenprävention.

In beiden Bereichen sind wir bei ease sehr weitund können die gewünschten Effekte in der Praxisbelegen. Die ersten Objekte unserer Kunden sindbeispielsweise mit IoT-Technologie im Bereich derWasserleitungen ausgestattet, die im Falle einesWasserschadens teure Folgeschäden verhindernkann. Das spart Ärger beim Bewohner, Arbeit beimVerwalter und Geld beim Versicherer – so mussdie Zukunft aussehen, wenn sie für alle Beteilig-ten erfolgreich sein soll. Aber Schadenpräventionmuss nicht immer Hightech sein. Es geht auch umsolche Dinge, wie in Überschwemmungsgebietenauf Fliesenböden in den unteren Stockwerken zuachten. Auch das senkt im Schadenfall die Scha-denhöhe und das geht uns alle etwas an. Die Ein-stellung, dass es ja am Ende sowieso die Versiche-rung bezahlt, ist zu kurz gedacht und kommt alsBoomerang nur zurück. Aber wir sollten es zumAnlass nehmen, moderner zu werden, neue Ge-danken zuzulassen und die technologischen Mög-lichkeiten, die wir haben, auch zu nutzen.

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Die Gebäudeversicherung wird teurer – was nun?

Indexanpassungen und Prämiensanierungen – beider Gebäudeversicherung ist eine durchaus be-achtliche Dynamik in der aktuellen Zeit spürbar. Im Kontext von konstant hohen Energiekosten undhoher Inflation führt das zu einer Gesamtsituation,mit der die Versicherungsnehmer nur mäßig glück-lich sind. Doch was sei einem geraten, wenn dieGebäudeversicherung die Prämien anhebt? Darüber haben wir mit ease Geschäftsführer MarcelHanselmann gesprochen, der die Branche sehr ge-nau kennt und der mit seinem Team im Markt fürzukunftsträchtige Lösungen bekannt ist.

Marcel, die Reihe der Studien, die belegen, dassdie Versicherungsschäden immer teurer werden,wird immer länger. Eine Analyse der Bankenauf-sicht Bafin hat nun ergeben, dass mehr als zweiDrittel der Versicherungen seit Jahren im Gebäu-debereich defizitär arbeiten.Siehst Du hier einen Weg zur Normalisierung?

Marcel Hanselmann: Diesen Weg muss es ja ge-ben, denn ein defizitäres Geschäftsfeld kann keinnachhaltiges Modell sein und wir werden die Ge-bäudeversicherungen auch in ein paar Jahren noch brauchen. Der Transfer in die Gewinnzone wird sichaber nicht automatisch einstellen. Auch in einemJahr 2022, das nicht die ganz großen Elementarer-eignisse verkraften musste wie 2021, meldet die Ver-sicherungswirtschaft eine Combined Ratio – alsoein Verhältnis von Aufwand für Betriebs- und Ver-sicherungsleistungen zu den eingenommenen Prä-mien – von 106 %. Das bedeutet, dass ein Versichererim Schnitt mit jeden 100 Euro Versicherungsprämie6 Euro Verlust macht. Wenn wir nichts Grundlegendesverändern, wird diese Zahl sicher nicht sinken undwarum sollte das ein Unternehmen dauerhaft tragen?

Du hast die Elementarereignisse aus dem Jahr 2021bereits angesprochen. Was ist Deiner Meinungnach noch elementar für diese Situation verant-wortlich?

Marcel Hanselmann: Die Schadenquote. Der Ge-bäudebestand der Versicherer wird immer älter, undwenn Objekte dann auch noch einen mehr oder we-niger großen Sanierungsstau ihr Eigen nennen, steigtdie Schadenquote und das wird zum Problem für dieVersicherer. Was in diesem Zusammenhang bemer-kenswert ist: Es gibt keinerlei regelmäßige Überprüfung, beispielsweise der Wasserleitungen ineinem Gebäude, wie wir das von einem TÜV für Autos kennen. Und das führt zu wahnsin-nigen Zahlen. 3,4 Milliarden Euro pro Jahrmüssen Versicherer für die Beseitigung vonLeitungswasserschäden jährlich bezahlen.Das sind fast 50 % der gesamten Kosten. Undwenn dann eben steigende Schadenquotenauf steigende Baupreise treffen, haben wireinen exponentiellen Anstieg der Kosten.

Und dieses Problem wird dann regelmäßigmit Prämienerhöhungen, höherer Selbstbe-teiligung oder dem Ausschluss bestimmterGefahren bis hin zur Kündigung des Ge-samtvertrags gelöst – aus Deiner Sicht derrichtige Weg?

Marcel Hanselmann: Nein, denn das kannsich ein sehr großer Teil der Gesellschaft aufDauer schlicht nicht leisten und daher kanndas nicht unser Zukunftsweg sein. Umfragenergeben, dass sich heute im Angesicht derangekündigten 16%igen Prämiensteigerungschon 60 % der Versicherungsnehmer Sor-gen machen, ob sie die Kosten in Zukunftnoch werden tragen können.

Der Ausschluss von Gefahren ist zudem nochhochriskant, außer es handelt sich um unnö-tige Deckungen. Dann war der Vertrag aberauch schon vorher schlecht. Die Antwortender Versicherungsbranche blicken recht we-nig über den Tellerrand hinaus, was aberangesichts der vielfältigen Probleme absolutnötig wäre. Und dort gibt es außerdem auchnoch Lösungen dafür. Wir arbeiten schon seitJahren mit aufwändigen Datenanalysen, dieuns ein wirkliches Wissen über unsere Her-ausforderungen ermöglichen. Daneben setzen wir in der täg-lichen Praxis auf IoT-Lösungen,die gerade im Leitungswasser-bereich Folgeschäden wirkungs-voll vermeiden, Tag für Tag.

Empfiehlst Du Versicherungsnehmern in solchenSituationen die Gebäudeversicherung zu kün-digen?

Marcel Hanselmann: Das muss man differenziertsehen. Ist das eigene Objekt alt, unsaniert und hateine lange Schadenhistorie, sollte man mit derKündigung vorsichtig sein, denn es ist keineswegsselbstverständlich, dass sich im Anschluss eine an-dere Versicherung findet, die einen mit offenenArmen und Top-Konditionen empfängt.

Hat man aber ein Objekt oder als Hausverwaltereinen Bestand, der eine gute Schadenquote vor-weisen kann, kann man von der Versicherungdurchaus fordern, das dies entsprechend auch beider Prämienhöhe berücksichtigt wird.

Könnte man Hausverwaltern in diesem Zusam-menhang dazu raten, „Problemgebäude“ abzu-stoßen, um die Schadenquote des Bestands zuverbessern?

Marcel Hanselmann: So hart das für die Bewoh-ner klingen mag, aber ja, darüber sollte man nach-denken, zumindest sollte man solche Objekte in-dividuell behandeln. Es kann nicht sein, dass eineHausverwaltung für ihren gesamten Bestand Prä-mienerhöhungen erdulden muss, nur weil einzelnewenige Objekte schadenanfällig sind.

Das Problem ist dabei, dass die Versicherungenhierzu meist keine Daten haben. Sie wissen also,dass die Gebäudeversicherung defizitär ist, abernicht, was dafür verantwortlich ist. Wir bei easehaben zu den Beständen unserer Kunden eine sehrbreite Datenbasis, mit der wir den Versicherun-gen aufzeigen können, wie wir ein gemeinsames Modell gestalten können, das die Bewohner best-möglich schont und für den Versicherer trotzdemauskömmlich ist. Das ist eine Frage der Daten undhier sind wir führend am Markt.

Welche Optionen siehst Du noch, denn für einesignifikante Senkung der Schadenquote wirdeine Stellschraube nicht reichen, oder?

Marcel Hanselmann: Sicher nicht, wobei eingutes Portfoliomanagement auf Basis umfassen-der und aktueller Daten, wie gerade beschrieben,schon ein ordentliches Pfund ist. Aber ergänzensollten wir das um ein gutes Sanierungsmanage-ment und Maßnahmen zur Schadenprävention.

In beiden Bereichen sind wir bei ease sehr weitund können die gewünschten Effekte in der Praxisbelegen. Die ersten Objekte unserer Kunden sindbeispielsweise mit IoT-Technologie im Bereich derWasserleitungen ausgestattet, die im Falle einesWasserschadens teure Folgeschäden verhindernkann. Das spart Ärger beim Bewohner, Arbeit beimVerwalter und Geld beim Versicherer – so mussdie Zukunft aussehen, wenn sie für alle Beteilig-ten erfolgreich sein soll. Aber Schadenpräventionmuss nicht immer Hightech sein. Es geht auch umsolche Dinge, wie in Überschwemmungsgebietenauf Fliesenböden in den unteren Stockwerken zuachten. Auch das senkt im Schadenfall die Scha-denhöhe und das geht uns alle etwas an. Die Ein-stellung, dass es ja am Ende sowieso die Versiche-rung bezahlt, ist zu kurz gedacht und kommt alsBoomerang nur zurück. Aber wir sollten es zumAnlass nehmen, moderner zu werden, neue Ge-danken zuzulassen und die technologischen Mög-lichkeiten, die wir haben, auch zu nutzen.